„Glaubt an Gott und glaubt an mich“

Neulich war ich zur Silberhochzeit von Freunden in Berlin. Sie hatten mich gebeten, ein paar Worte zu sagen und mein Freund hatte tatsächlich noch das Trauevangelium und den Trauspruch gefunden.

Neben der Geschichte von Momo und Beppo dem Straßenkehrer zur Lesung „Schritt – Besenstrich– Atemzug“, kam der Trauspruch aus dem Matthäusevangelium: „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.“ (Mt6,34) Dazu muss man wissen, dass den Beiden bis zur Hochzeit schon einiges passiert war, was einem Sorgen bereiten kann. Mein späteres Patenkind wurde im allgemeinen Abiturtrubel geboren und der spätere Weg der damals jungen Familie war noch nicht vor- gezeichnet. Also Schulabschluss, Ausbildung, nebenher das erste Kind großziehen. Aber sie haben dieses Anfangschaos überstanden, haben sechs Jahre später bewusst ja zueinander gesagt, haben noch zwei weitere Kinder bekommen und sind nun, so jung wie sie Eltern wurden, inzwischen auch junge Großeltern. Was auch nach 25 Jahren silbern und schön scheint, war nicht immer glänzend und nicht immer einfach. Aber sie sind immer in Verbundenheit geblieben, unterstützt von einer großen, starken Familie und vielen Freunden. Und jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, bereisen sie die Welt und machen neue Erfahrungen miteinander. Auch wenn sicher nicht immer alles einfach in ihrem Leben ist, begleiten sie die Texte und Haltungen aus ihrem Traugottesdienst. Tu die Dinge nacheinander, Schritt für Schritt und blockiere dich nicht heute schon mit den Sorgen von morgen.
Das finde ich einfach toll und es erinnert mich daran, wie viele Sorgen ich mir um morgen mache. Kirchen- entwicklung 2030, Ukrainekrieg, Klimakatastrophe, sozialer Unfriede, Zukunft der Kinder, die eigenen Eltern, die Renovierung des Pfarrhauses. Häufig bin ich mehr im Morgen, als dass ich das, was jetzt gerade wichtig ist, wahrnehmen kann. Auch hier fragt Jesus im gleichen Evangelium: „Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?“ (Mt 6,27) Und mir kommt Beppo in den Sinn
„Schritt – Besenstrich – Atemzug“, ganz im Hier und Jetzt, fokussiert und sortiert und er sagt: So ist es gut, so macht es Freude.
Und Jesus sagt im Johannesevangelium in seiner ersten Abschiedsrede: „Euer Herz lasse sich nicht verwir- ren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14,1). Das klingt ganz einfach und was einfach ist, ist leicht. Das wünsche ich mir manchmal. Mich nicht verwirren lassen, einfach glauben und vertrauen, dass es gut wird, verbunden sein mit dem Augenblick und doch den nächsten „Schritt – Besenstrich – Atemzug“ wagen. Dabei gilt es wie in einer Ehe einander und Gott zugewandt zu bleiben, sich auszuhalten, getrennte Wege zu gehen und wieder zueinander zu finden, verbunden zu bleiben und Herausforderungen gemeinsam zu meistern, sich wahrzunehmen und nicht aus dem Blick zu verlieren, miteinander zu ringen und sich zu ver- söhnen, zusammen zu feiern und sich gegenseitig zu trösten, mir zu glauben und dir zu glauben, dann macht es Freude, dann wird es gut. Und für die Sommerpause nicht vergessen: „Schritt – Besenstrich – Atemzug!“
 
 Wolf-Dieter Wöffler, Pastoralreferent